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Die Schallplatte:„Karussell der geistigen Welt“!?

Dienstag, 4. Mai 2010 12:10

Im Modul Musikbibliotheken beschäftigen wir uns gerade mit Tonträgergeschichte. Leider wurde das Gebiet auf 15 Minuten reduziert, um dann genügend Zeit für die Typologie der Partituren zu haben…

Das fand ich etwas schade und hab zu hause mal einen Blick in mein Bücherregal geworfen. Ich hab tatsächlich drei Bücher zur Schallplatte gefunden!

Besonders die beiden ersten Bücher sind sehr interessant. Beide stammen aus dem Jahr 1958 – das eine aus dem “Westen”, das andere aus dem “Osten” – und sind liebevoll mit Gedichten und Illustrationen versehen. Auch Abbildungen der modernsten und ausgefallendsten Plattenregale (Plattentapete, Platten-Kiosk-Ständer, …) fehlen nicht. Gerade Jimmy Jungermann, den man vielleicht durch seine langjährige Mitarbeit beim Bayerischen Rundfunk (1945-1987) kennt, plaudert auch ausführlich über die Themen Aufbewahrung, Ordnung, Verzeichnung.

Vielleicht wäre es mal eine Diplomarbeit wert? Welche Bibliotheken haben noch Schallplatten und wie sind sie damit umgegangen, wie sind sie erschlossen bzw. welche Bibliotheken haben angefangen wieder aktiv zu sammeln? Lohnt es sich vielleicht, verstärkt LPs zu erwerben? (Wenn man die mindere Haltbarkeit/Beständigkeit der CDs im Auge hat und die Tatsache, dass ja durchaus neue LPs produziert werden…) Und wenn man nur herausfindet, dass das Gebiet doch eher abgeschlossen ist – auch gut. Spannend? Langweilig? Unwichtig? Bitte um zahlreiche Kommentare!

Jungermann zitiert auf Seite 26 ein Gedicht von Joachim Ringelnatz:

Schallplatten
Schallplatten, ihr runden,
Verschönt uns die Stunden
Laut oder leise,
Tief oder hell,
Wie wir euch bestellt.
Dreht euch im Kreise.
Das Karussell
Der geistigen Welt.
Erwähltes schwinge,
Ein Spiel erklinge,
Ein Sänger singe,
Ein Dichter spricht;
Aus fernen Landen,
Aus Nichtmehrvorhanden. -
Wir sehen sie nicht.
Was sie uns gegeben,
Wird Künftigen bleiben,
Wird weiter leben,
Wie ihr es banntet,
Ihr kreisenden Scheiben,
Wie ihr erkanntet,
Was ewig gefällt.
Die Kunst erhält.

Thema: Bibliothekarisch | Kommentare (1) | Autor: khaering

Einstellen: Three Figure Scheme vs. Interessenkreise

Mittwoch, 13. Januar 2010 22:29

Das letzte Mal hatte ich ja bereits Praktikums-Tätigkeiten aufgelistet und dabei z.B. die Rechnungsbearbeitung in Bibliotheca nicht erwähnt. Gestern kam in der Patientenbibliothek noch das Folieren der Bücher hinzu. Hier macht es sich wirklich bezahlt, dass die ekz-Folie reversibel ist… Heute wurde ich etwas ins kalte Wasser geschmissen und habe die Öffnungszeiten der Fachbibliothek übernommen, während die restliche Besatzung in einer Besprechung verwickelt war. Da wir diese Woche auf die tadaa! automatisierte Ausleihe umgestellt haben, muss ich in der Zeit des Übergangs noch beides bedienen – Benutzerklappkarten &Co und Bibliotheca. Auf jeden Fall spannend, sowas mitzuerleben.

An das Einstellen (reshelving)  habe ich mich langsam gewöhnt. In Cambridge hatte ich gemeinsam mit zwei anderen Bibliothekarinnen immer den Bereich 520-569 der Klassifikation, d.h. eine Etage der Nordfront und ein bis zwei mit Büchern gefüllte Trolleys.

Ich habe mich richtig in das hauseigene “three figure scheme” verliebt. Hab fleißig klassifiziert und finde es sehr schade, dass sie nirgendwo anders anwendung findet, weil das heißt, dass ich sie nie wieder benutzen werde.

Sieht die Signatur so aus : 534.15.c.200.33 handelt es sich um ein wissenschaftlich relevantes Buch über das gesellschaftliche Leben und Bräuche im 20. Jh. in Europa (534.15). Außerdem kann man erkennen, dass es zwischen 2000 und 2050 erschienen ist (.200) und der Buchrücken zwischen 22 und 25 cm lang ist (.c). Und es ist das 33. Buch, das diese Kriterien erfüllte.

Anderes Beispiel: 69.01.b.33.3 69 zeigt an, dass es sich um die Geschichte der Katholischen Kirche dreht, .01 zeigt an, dass es eine Reihe ist, b zeigt, dass es 26-31cm hoch ist, 33 bedeutet, es ist die 33. Reihe, die die Kriterien 69.01.b erfüllte, .3 zeigt an, dass es sich um den dritten Band dieser Reihe handelt.

Aufstellung: Jeder Raum bildet einen Teil der Klassifikation ab (z.B. 520-569). Ganz hinten stehen die Periodika, der restliche Platz wird von den Monographien eingenommen. Periodika können leicht am vorangestellten P erkannt werden (P 539…). Diese beiden Gruppen sind in sich zuerst nach Format aufgestellt, so dass es die Bereiche a, b, c und d gibt (a ganz groß, d ganz klein). Bücher die größer als 41 oder kleiner als 17cm sind, stehen im Magazin. Wiedererkennungswert: Die Beschilderung der Regale mit den Büchern des Formats d sind grün, die für c gelb usw.  Aufstellung nach Format macht Sinn, wenn man bedenkt, dass zwei Millionen Bücher in der Freihand stehen. Innerhalb des Formats stehen die Bücher dann entsprechend ihrer Klasse, Reihe. Als letztes Ordnungsmerkmal gilt dann die laufende Nummer, die sich am Ende der Signatur findet.

So stellt man also in Cambridge ein. Man kommt morgens zur Arbeit, macht den Rechner an und geht z.B.  zur 4. Etage der Nordfront (es gibt auch noch den Nördlichen Flügel und all das in anderen Himmelsrichtungen) um dort seine Bücherwagen vorzufinden und etwa 15-45 min einzustellen. Das macht so ziemlich jeder.

In meiner kleinen Patientenbibliothek gibt es ein nettes kleines Fach, das man ja selbst gefüllt hat. Wenn gerade nichts anderes ansteht, oder das Fach recht voll wirkt, stellt man die Bücher einfach wieder ein. Achso: nach ekz- und eigenen Themenkreisen. Z.B. Krimi. Wenn der Themenkreis drei Regalböden oder mehr umfasst, wird alphabetisch nach Verfasser und anonymen Sachtiteln geordnet. Das war’s. Und es reicht für eine Ein-Zimmer-Bibliothek voll aus.

Wie unterschiedlich die Arbeit in Bibliotheken doch sein kann.

Thema: Bibliothekarisch | Kommentare (0) | Autor: khaering